


In Berlin hängen zur Zeit diese Plakate. Sie werben für ein Theater, die Schaubühne. Aber sie machen auch darauf aufmerksam, dass Theatertexte voller wahnsinniger, kitschiger, einfacher, verrückter und vor allem zitierfähiger Liebeserklärungen stecken. Die Schaubühne bedient sich bei Friedrich Schillers “Die Räuber” (ziemlich direkte Anmache), bei David Gieselmanns “Die Tauben” (scheinbar direkt, aber eigentlich naiv-spielerisch) und bei Tennessee Williams “Endstation Sehnsucht” (ein klarer Fall von fishing for compliments). Leider sehen die Schauspieler nicht besonders verliebt, sondern eher wie die neutral oder gänzlich leer blickenden Kultporträts des deutschen Fotografen Thomas Ruff aus.
Aber egal. Ich fühlte mich trotzdem dazu aufgefordert, ein paar Sätze aus der Klassikerkiste hervorzukramen: “Hier ist der Himmel, wo Julia lebt” schwärmt der Verliebte Romeo in William Shakespeares “Romeo und Julia”. Oder das Urliebespaar “Tristan und Isolde”, es verschmachtet, singend, in der Version von Richard Wagners Opernlibretto: “O sink hernieder, Nacht der Liebe,/ gib Vergessen, dass ich lebe;/ nimm mich auf in deinen Schoß,/ löse von der Welt mich los!/ So stürben wir, um ungetrennt –/ ewig einig, ohne End’,/ ohn’ Erwachen – ohn’ Erbangen –/ namenlos in Lieb’ umfangen,/ ganz uns selbst gegeben,/ der Liebe nur zu leben!” Wahres Pathos, zwei Menschen vereint bis in den Tod. Der Dichterheld und Hallodri Torquato Tasso nimmt im gleichnamigen Drama von J.W. v. Goethe kein Blatt vor den Mund, um die geliebte Prinzessin anzutatschen: “Erlaubt ist, was gefällt.” Ist das noch eine Liebeserklärung? Mmh. Sie entgegnet sogleich schnippisch: “Erlaubt ist, was sich ziemt.” Damit bleibt das Lieben in den Worten stecken.
Aber warum nicht theatralisch sein? Aus dem Hamsterrad des perfekten Lebenslaufs – darüber hat Amira gerade auf Freitag.de geschrieben – ausbrechen. Stattdessen Eskapaden! Ja! Was war euer bühnenreifster Liebesschwur? Oder traut man sich so etwas nur in der Literatur, nicht im echten Leben? Könnte man nicht zur Not immer sagen, “du, das war ein Zitat, ich wollte mal sehen, ob es immer noch wirkt…” Oder wäre das dann richtig peinlich?
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