Archiv für die Kategorie „Mittendrin“


Nahe dem wilden Herzen

Dienstag, 1. September 2009

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So heißt ein Roman von Clarice Lispector, einer brasilianischen Autorin jüdischer Abstammung, die mit ihren Eltern aus der Ukraine nach Lateinamerika kam. Er wurde 1944 veröffentlicht, als sie 23 Jahre alt war (da ihr Geburtsjahr je nach Quelle variiert, könnte sie auch erst 19 Jahre alt gewesen sein). Ein großer Kritikererfolg, aber ein Desaster für den Verlag. In dem Buch schildert sie die Sehnsüchte einer Frau in verschiedenen Lebensabschnitten, ihre traurige Kindheit, ihre Einsamkeit im Internat, ihr autonomes Denken zu Zeiten der Ehe und das genaue Hinsehen und -horchen, in sich selbst, vor allem in die Dinge. Clarice Lispector war fasziniert von der Liebe, ihrer Totalität und ihren Abgründen. Jeden ihrer berühmten Gesprächspartner, den sie 1968 für die Serie “Mögliche Gespräche mit Clarice Lispector” in der Zeitschrift “Manchete” interviewte, fragte sie darüber aus. Turmsegler zitiert einen dieser Dialoge. Ein Jahr zuvor war sie mit Zigarette zwischen den Fingern eingeschlafen und hatte ihre Wohnung in Flammen gesetzt – seitdem war ihre rechte Hand verkrüppelt und verbrannt.

Wie die beiden Fahrräder da an dem Herzschild lehnen, eine Minidemonstration zu zweit, mit Richtungsangabe (folge uns, dann wirst du sehen, was wir meinen), musste ich an den Lispector-Stil denken, an diese unheimlichen, aber auch heimlich-intimen, vor allem freien und mutigen Sentimentalitäten: “Weil ich im Grunde lieben will, was ich lieben möchte – und nicht was ist. Weil ich noch nicht ich selbst bin, und somit ist es eine Strafe, eine Welt zu lieben, die nicht sie ist. Auch, weil ich aufs Geratewohl beleidigt bin.” Das ist aus einem anderen Buch der “brasilianischen Virginia Woolf”, aus dem Erzählungsband “Die Nachahmung der Rose”. Große Gefühle. Viel zu selten, oder? Noch heute gilt Lispector als eine der wichtigsten Autorinnen Brasiliens.


Lisa sagt

Samstag, 29. August 2009

So langsam nervt der Typ. Ich dachte, der will nichts von mir! Und jetzt meint er, das wäre so, als wenn er sich das Rauchen abgewöhnt! Der Spast! Soll er von mir aus halt nicht mehr an mich denken. Er hätte mich haben können, aber nein, wollte er ja nicht. Warum auch immer! Hat er mir ja nie gesagt, warum! Wahrscheinlich war ihm seine Freiheit lieber. Hängt lieber mit den Jungs ab, kuckt Pornos oder Fußball oder was weiß ich und flirtet sich durchs Juze! Kann mich, der Kerl! Egal. Und dann macht er hier einen auf Eifersucht, dass ich nicht lache! Ich mein, klar war mir das peinlich, dass er mich gesehen hat, wie ich mit diesem Felix herumspazier. Wäre natürlich lieber mit ihm herumgegangen! Aber peinlich war auch, dass er da so spastmäßig rumgejoggt ist! Da war ER mir auch gleich vor Felix peinlich! Blöde Situation, auf jeden. Na anrufen werde ich ihn auf keinen. Kann er sich abschmieren. Ich bin hier die Lady, er soll sich melden, wenn! Und von wegen “alle Optionen”! Der Typ weiß genau was ich will. Er muss nur kommen, aber lass mich nicht zu lange warten, denn die Stadt ist groß! Ich bin, das muss jetzt auch mal raus, schon ziemlich depri im Moment. Gestern saß ich bedröppelt in der XBar. Allein! Nur die Bierflasche, Stück oder sieben Kippen und ich! Tja, scheiß Leben. Untervögelt ist gar kein Ausdruck! Und die Typen um mich rum alle mit Braut. Da machste nix. Hab schon wieder überlegt, mich wieder bei soner Singlebörse online anzumelden. Weiß aber nicht. Beim letzten Mal war das ja nicht so der Burner. Ich glaube, ich muss jetzt aufhören, ich texte hier ziemlich rum… Bald mehr, und hoffentlich mehr Positives von eurer Lisa! Versucht mich mal zu finden! Geht nicht! He he…


War das jetzt der Orgasmus?

Samstag, 25. Juli 2009

Der weibliche Orgasmus ist, im Gegensatz zum männlichen, bisher recht unkartografiertes Gelände. Heike Faller bemüht im aktuellen SZ-Magazin sogar ein Diktum des Psychoanalytikers Sigmund Freud: “Die große Frage, die ich trotz meines dreißigjährigen Studiums der weiblichen Seele nicht zu beantworten mag, lautet: Was will die Frau?” Also spürt die Journalistin in ihrem Artikel (leider nicht online) dem aktuellen Forschungsstand zu “pink Viagra” nach. Diese Luststeigerungspillen für die Frau sollen frühestens 2010 auf den Markt kommen.

Aber macht eine Tablette wirklich “Lust auf mehr”, fragt die Mädchenmannschaft? Und geht es wirklich darum? Immer besser, immer schneller, immer toller zu kommen? Wir Liebeserklärer finden das viel zu stressig, viel zu gehetzt, und sagen in unserem Buch: Bleibt locker. Genießt alles. Auch das Langsame. Und auch Pannen sind völlig ok. Sonst geht es euch nachher so wie den Berliner Lesebühnen-Autorinnen und -Autoren in “Von Spaß war nie die Rede” (Satyr Verlag, 2009). In ihrem Blog auf ZEIT ONLINE verfasste auch Sigrid Neudecker gerade ein Plädoyer gegen den Leistungsdruck beim Sex. Unseren Text dazu lest ihr ab dem nächsten Absatz (es geht unter anderem um Simone de Beauvoir). Wir glauben, dass Sex immer besser wird, je mehr Erfahrungen man sammelt. Das gilt für Mann und Frau, und ist daher endlich mal eine gleichberechtigte Meinung zum Orgasmus. Oder? (weiterlesen…)


Die chemische Keule

Donnerstag, 23. Juli 2009

Gestern kamen wir vom Preis auf die Chemie der Liebe. Daher habe ich, zum Nachschlagen oder zum Brillieren auf Partygesprächen, mal ein kleines Glossar für das medizinische Grundwissen zum körperlichen Glücksgefühl zusammengestellt. Ärztinnen und Ärzte unter euch: Bitte gerne um den aktuellsten Forschungsstand ergänzen.

Oxytozin: Wird auch “Liebeshormon” genannt und im Gehirn aller Säugetiere produziert. Es bewirkt, wenn es in die Blutbahnen gelangt, die rhythmische Anspannung der Muskulatur der Gebärmutter (bei Frauen) oder des Samenleiters (bei Männern). Eventuell spielt es auch eine Rolle als “Treuehormon”: Präriewühlmäuse bleiben sich nach dem ersten Sex ihr Leben lang treu, in ihrem Gehirn wurde eine hohe Konzentration von Oxytozin festgestellt. Bergwühlmäuse produzieren dieses Hormon kaum, wenn sie sich begatten, und belassen es bei One-Night-Stands. Züchtet man allerdings genetisch veränderte Bergwühlmäuse, die mehr Oxytozin produzieren, trennten sich die Paare nicht mehr. Der Name des Stoffes kommt aus dem Griechischen von “oxys” (schnell) und “tokos” (Geburt), denn ohne ihn kann eine Frau ihr Kind nicht auf die Welt bringen, weil er für die Wehen essentiell ist.

Dopamin: Hat auch einen Ersatznamen, nämlich “Glückshormon”. Wenn man verliebt ist, wird es verstärkt ausgeschüttet; dann benötigt man weniger Schlaf und hat weniger Appetit, behauptet unter anderem Helen Fisher, Anthropologin an der Rutgers Universität. Auch diesem Botenstoff könnte man einen anderen Namen geben, nämlich “Motivationshormon”. Ein zu geringer Dopamin-Spiegel im Blut führt zu Antriebslosigkeit, ein zu hoher spielt bei Psychosen eine Rolle. Und für die Auswendiglerner unter euch noch die Summenformel: C8H11NO2

Östrogen: Dieses Hormon gilt als weibliches Hormon. Es steuert den Zyklus von Eisprung etc. Während der Blutung ist die Östrogenkonzentration am geringsten; Mädchen und Frauen fühlen sich dann oft niedergeschlagen, depressiv oder einfach kraftlos. Männer brauchen Östrogen unter anderem für den Knochenaufbau und für die Heranreifung der Spermien. Zu viel Östrogen macht übrigens aggressiv.

Testosteron: Ein männliches Hormon, ein sogenanntes Androgen, das beispielsweise zur Ausbildung der männlichen Geschlechtsorgane notwendig ist, aber auch im Körper der Frau eine große Rolle spielt. Zur Zeit des Eisprungs nimmt die Konzentration von Testosteron im Körper der Frau um 30 Prozent zu, daher nimmt man an, dass es lustfördernd wirkt. Der Forscher Ernst Lacqueur hat ihm den Namen gegeben, weil er das Hormon 1935 erstmals aus Stierhoden (testis) isolierte. Er hatte bereits 1925/1926 mit anderen Wissenschaftlern das Östrogen entdeckt.

Pheromone: Diese unbewusst wahrgenommenen Duftstoffe signalisieren Paarungsbereitschaft und werden von Körperdrüsen ausgesendet. Bestimmte Schmetterlings- und Mottenarten können angeblich Pheromone aus zehn Kilometer Entfernung wahrnehmen. Und, wie gestern schon angemerkt, soll es bereits Parfüms geben, denen diese Stoffe beigemischt sind. Ob sie wirken?


The Love Crowd

Sonntag, 19. Juli 2009

love


Herzschatten

Sonntag, 12. Juli 2009

herzturWas hier fehlt: ein gegen das Glas gedrückter Rücken, die Schatten eines sich küssenden Paares. Wäre das Kitsch? Oder Voyeurismus? Wie fühlt es sich an, wenn man sieht, wie andere sich küssen? Welches wären gute Kuss-Orte? An der Bushaltestelle? Auf dem Dach eines Rohbaus? In einem Riesenrad? Im Regen? Im Kino? Auf dem Rücksitz eines Taxis? Auf dem Flur, vor dem Ankommen, nach dem Weggehen… in der Dämmerung. Oder wo? Oder ganz egal?


Liebesschaukel, Urlaubsmittel, Caravan of Love

Sonntag, 5. Juli 2009

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Wir sind Freibad

Freitag, 3. Juli 2009

Also, wir sind wieder im Freibad (krasse Fotos! Aber keine Leute von uns). Wie ab jetzt jeden Tag. Der Sommer ist einfach großartig. Meine liebste Jahreszeit. Aber wem erzähle ich das? Wahrscheinlich Leuten, die jetzt noch aufm Zimmer oder im Büro hängen müssen! Mein Mitleid habt ihr.

(Hier ein Trostbild! Gibts hier auch als Bildschirmschoner.)

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Gestern haben wir übrigens noch Basketball gespielt. Hinten auf dem Platz in diesem großen Park. Erst waren wir nur zu zweit, also Sibel und ich, und dann kam noch so ein junger Typ mit dunkler Haut, oder darf man das nicht sagen? Das war dann lustig, denn der war wirklich gut. Dann kam plötzlich so eine ganze Schulklasse türkischer Mädchen – alle höchstens 12! Und haben mitgespielt. Wir gegen die. Wir haben natürlich gewonnen, denn wir waren groß wie Türme.

Morgen gehe ich vielleicht auf dieses Festival, um den blonden Jungen von neulich wiederzusehen. Versucht nicht, mich zu finden.


Lisa sagt

Donnerstag, 2. Juli 2009

Hey, es sind Sommerferien! Erst mal ab ins Freibad. Das Freibad hier um die Ecke ist zwar ziemlich panne, aber egal! (Manche können ja gar nicht gehen, hihi.) Gestern war ich auch schon da. Mit Sibel, Emma und den anderen… Und was soll ich sagen. Da saß so ein Typ so schräg rechts von mir mit seinem Freund, und der Junge, also der erste, war eigentlich gar nicht so mein Typ, aber dann hat er mal schräg geguckt, so ein unglaublich heimlicher Blick. Immer wieder hat der geguckt, dabei wollte ich gerade was lesen, und zwischendurch waren sie auch mal weg, kamen aber wieder (der andere hat voll gar nicht geguckt), und ich dachte so, und jetzt? Soll ich jetzt hier die Initiative machen oder wie? Passiert halt nichts. Wenn keiner was macht. Aber ich hatte dann auch keinen Bock, ich bin ja nicht blöd, ich wollte ja gar nichts von dem Typen. Aber irgendwie interessant fand ich den dann doch. Aber der guckt nur. Einmal bin ich zum Eisverkauf, einmal aufs Klo, einmal habe ich mich absichtlich so über so eine Stange gelehnt, Emma und die anderen waren ja schwimmen. Aber der Typ kam nicht. Sind Typen so? Sind Typen am Ende noch schüchterner als wir Mädchen? Ich weiß nicht. Sagt ihr mal. Aber versucht nicht, mich zu finden.


Sex Sex Sex

Mittwoch, 1. Juli 2009

Eigentlich wollten wir heute eine Reihe zu “Sex in der Popmusik” starten, und mit einem Lied der Gruppe Hans-A-Plast eröffnen. Der heißt jedenfalls “Sex Sex Sex” und hat u.a. die Zeilen “Mehr Busen, mehr Arsch, Deutschland erröte” und “Wir stopfen euch den Hals mit Sex, Sex, Sex.” Der Song ist übrigens von 1981! Ein Video gibt es dazu aber leider nicht!

Gefunden haben wir stattdessen folgendes:

Werbung für Kondome. Auch nicht schlecht. Was wir auch hätten machen können – Lisa über die Magie sprechen lassen, nach der auch die Münchenerin vergeblich sucht. Aber Lisa hat ab heute Ferien. Aus denen meldet sie sich vielleicht morgen.