Archiv für die Kategorie „Oft“


Ein vorläufiges Ende

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Die SZ fragte sich gestern (leider nicht online), wie man eigentlich jemanden auf Facebook beerdigt. Dabei ist das Gute am Internet doch eigentlich, dass es gar nicht beerdigen kann, dass es ein Medium des Anti-Sterbens ist. Es ist eher eine wabernde Materie, verändert sich ständig. Auch so etwas wie der Blog-Friedhof, den ZEIT ONLINE einst mit nicht mehr aktiven Blogs bestückte, war mehr ein Symbol für diese Veränderungen, denn ein Grabmal des Todes. Nur dass er mittlerweile gelöscht wurde (hier die letzte erhaltene Seite aus dem Archiv für Websites Archive).

So wird auch dieses Blog nicht sterben, auch wenn wir uns heute von hier verabschieden. Wir freuen uns, dass es dieses Liebes-und-Sex-Blog gibt und wünschen euch Leserinnen und Leser ein erfülltes weiteres Sex-Lesen auf anderen Seiten. Sagt uns doch gerne mal, was ihr gut oder schlecht fandet (waren es zu viele Texte? zu wenig? zu lang? zu kurz? zu …?; was fehlte euch, was gefiel euch?) Danke! Und Danke, Berlin Verlag!

PS: Wenn ihr uns weiterverfolgen wollt: René bloggt derzeit 100 Tage über David Foster Wallace Roman “Unendliches Glück“, Nikola über Kultur und Internet auf der Blogmacherei. Der Berlin Verlag hat auch eine eigene Blog-Adresse.


Sexuelle Revolution im Internet?

Samstag, 12. September 2009

Dieses Blog hat sich bereits mit einigen Auswirkungen der sozialen Netzwerke auf unser Flirt- und Liebesverhalten beschäftigt (Facebook-Flirten, -Eifersucht, Liebes-Twitter). Natürlich fragt sich auch schon eine ganze Armada von Theoretikerinnen und Theoretikern, wie etwa Partnerbörsen und Chaträume unsere Partersuche und unser Ich-Verständnis beeinflussen. Von Eva Illouz war schon die Rede, sie spricht von kapitalisierten Beziehungen: Man verabredet sich im Web nur mit Gleichgestellten, Gleichgesinnten, verschwendet keine Zeit auf Menschen, von denen nicht das Erwartete zurückkommt. ”Life on screen” von der Cyberanalystin Sherry Turkle (1995) ist bereits ein Klassiker über die Herausbildung eines “second self”, eines zweiten Selbst im Netz. Der “tiny sex” im Internet per Chat erlaube auch das Spiel mit Geschlechterzuschreibungen, das “gender swapping”. Turkle’s These in Kurzform lautet “Ich bin viele”. Davon kann die Hamburger Band Die Sterne ein Lied singen: In ihrem Song “Big in Berlin” (1999) intonieren sie die Zeile “Wir sind viele und wir sind zu zweit.” Die menschliche Selbstdarstellung ist natürlich nicht nur auf die Onlinewelt begrenzt. Der kanadische Soziologe Erving Goffman verglich sie schon 1959 in seinem Buch “Wir alle spielen Theater” mit dem Rollenspiel auf der Theaterbühne. Für ihn galt aber nur der Kontakt zwischen Mensch und Mensch als Interaktion, die zwischen Mensch und Maschine zählte er nicht. Ob das Internet nun aber unser sexuelles Verhalten befreit, erweitert oder eher verunsichert, ist trotz aller schöner Theorie eine offene Frage. Prinzipiell sind die Möglichkeiten, im Internet andere Menschen kennenzulernen, unendlich. Durch gezielte Suchanfragen auf Partnerbörsen und genaue Profilvergleiche trifft man wahrscheinlich schneller auf Gleichgesinnte als in einer Kneipe. Auch hilft die digitale Distanz beim Online-Gespräch dabei, direkter zu sein, Tabus anzusprechen und Reaktionen zu provozieren.

Die Revolution wäre also eine der Masse und der Information. Doch wer nur noch online flirtet, lässt seine Sinne verkümmern. Ein Computer duftet und atmet nicht, er lächelt und errötet nicht. Besteht die sexuelle Revolution des Internets etwa darin, dass wir mehr über Sex lernen, lesen und schreiben, aber weniger Sex haben? Dass wir mehr denken, aber weniger fühlen? Abgesehen von unseren Fingerspitzen, die über die Tastatur tanzen? Daher: Genug geforscht für heute.


Zeigt her eure Bäuche

Sonntag, 6. September 2009

Wir klappen etwas hinterher, aber ich möchte dieses Thema nicht übergehen: Die amerikanische Glamour hat es gewagt, auf Seite 194 einer ihrer Ausgaben ein Model für Übergrößen (”plus-size model”) nackt abzubilden, das in Wirklichkeit ganz normal groß ist – und einen ganz normalen Bauch hat. Dieser liegt gemütlich und locker und gefaltet auf ihren Oberschenkeln. Lizzi Miller ist 20 Jahre alt, spielt Softball und macht Bauchtanz. Die Mädchenmannschaft ärgert sich, dass sich die Redakteure nun nach dem Zuspruch zu diesem Foto auf die Schulter klopfen und so tun, als ob endlich das Schönheitsideal rundum erneuert wird. Die Kaltmamsell zitiert in diesem Kontext geschockt einen Fotografen, der immer wieder erlebt, dass sich Alte und Dicke nicht fotografieren lassen wollen. Ich sage es daher mit meinem Opa, der viele Weisheiten im Kopf hatte: “Ein schöner Rücken kann entzücken, ein schöner Hals ebenfalls, ein schöner Bauch tut’s auch.” Warten wir nicht auf revolutionäre Bauchbilder in Frauenmagazinen, sondern seien wir schön, mit Bäuchen!


Jules sagt

Samstag, 22. August 2009

Ich fasse es nicht! Jetzt denkt Lisa, dass ich sie beobachte. Ich als Detektiv oder wie? Auf der Spur meiner Liebe? So ein Quatsch. Lisa leidet an narzisstischer Selbstverliebtheit, wenn nicht gar Überschätzung. Wahrscheinlich kann sie es sich gar nicht vorstellen, dass der arme Jules ohne sie leben kann. Aber, bätsch, kann ich.

In der letzten Woche habe ich kaum noch an sie gedacht, das war so, als ob ich mit dem Rauchen aufgehört hätte, ohne es überhaupt zu merken. Auf einmal waren die Lisa-ich-vermiss-dich-Gedanken wie weggeblasen. Ihr fragt euch, warum? Ganz einfach: Ich habe Lisa mit einem anderen Typen gesehen. (Nein, ich habe sie nicht beobachtet; das war Zufall!). Sie gingen im Park spazieren, als ich gerade joggen war. Ich bin dann als Mr Lässiger Schritt auf beide zugetrabt und konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Denn erstens sah ihr Begleiter scheiße aus (Wetgel), zweitens wurde Lisa rot, als ich an ihnen vorbeilief. Ihr war das peinlich! Hatte sie nicht gesagt, dass sie gar nicht rausgehen wollte? Hatte sie nicht gesagt, ich solle mich entscheiden? Die Arme weiß doch selbst nicht, was sie will, und hält sich lieber alle Optionen offen. Ich schwöre, dass sie mich in der nächsten Woche anrufen wird. Bis dahin halte ich mir auch alle Optionen offen. Sprecht mich ruhig an, wenn ihr mich seht!


Der Phallus geht um

Samstag, 8. August 2009

Vor einer Woche wiesen wir hier auf Gummi-Penisse hin. Diese waren absichtlich dem männlichen Geschlechtsteil nachgeformt, ein Partygag. Ha ha. Wenn die Natur so lustige Dinge wie Sexualorgane formt, warum lachen wir dann eigentlich nicht über Bäume und Katzen, über Sonnenblumen und Steine?

fail owned pwned pictures
see more Fail Blog

Denkste: Der Failblog, der sich mit allen Dummheiten auseinandersetzt, die unabsichtlich geschehen (Stichwort: Schadenfreude), hat den phallischen Gegenständen dieser Erde eine gesamte Rubrik gewidmet. Dort finden sich Fotos von Sonnenschirmen, Menschenformationen, falsch eingepieksten Strohhalmen in besagter Form. Lassen wir nun die Bilder sprechen. Und für die Architekturfreunde hat Heise verschiedene phallische Hochhäuser zusammengetragen.


Suchtsuche

Dienstag, 28. Juli 2009

Und weiter geht’s in die Abgründe der Sexualität, denn die gibt es auch, da hilft kein Leugnen. Befassen wir uns also kurz mit der Sexsucht. Das soll eine Krankheit sein, kann auch eine Krankheit sein, obwohl sich nicht nur im Pointblog gefragt wird, warum eigentlich. Auch im Café Anime, wo sich alberne bis übertriebene Grafiken die virtuelle Hand reichen, wird diese Frage diskutiert und zuweilen sogar hinreichend beantwortet. Auch wir haben uns im Buch mit der Frage beschäftigt. Die Antwort ist nur einen Klick entfernt. (weiterlesen…)


Sex und Gewalt

Montag, 27. Juli 2009

Hier endlich Teil 2 unser kleinen Reihe “Sex im Pop”. Sinnigerweise war es der Punk, der das Wörtchen Sex zuerst und vermehrt in seine Songtitel hievte, Sex in seiner direkten Stumpfheit begriff und auch das y wegkürzte (anders noch als Rod Steward, der narzisstisch “Do you think I’m sexy?” rau hauchen musste). Angenehm stumpf ist folglich auch dieses Lied, “Sex and Violence” von der Gruppe The Exploited, erschienen 1981 auf der LP “Punks Not Dead”, hier mit einem harmlosen, nichtsdestoweniger stumpfen Youtube-Video versehen.


Was kostet die Liebe?

Mittwoch, 22. Juli 2009

Ein altes Sprichwort besagt, dass man nicht von “Luft und Liebe” leben kann. Wahrscheinlich hat sich ein Misantroph, ein Menschenhasser, diese Phrase ausgedacht. Er konnte es wohl einfach nicht ausstehen, dass um ihn herum glückliche Paare herumflanierten und wollte ihnen das Glücklichsein miesmachen. Dabei ist Luft kostenlos und Liebe auch, das kann sich also jeder und jede leisten. Warum fragt aber dann das Magazin Neon gerade nach dem “Preis der Liebe“? Muss man, wenn man jemanden liebt, etwas dafür zahlen, etwas hingeben, materiell oder immateriell? Höchstens sich selbst, oder? Ich finde die Frage falsch gestellt, denn Gefühle sind ja nicht kapitalistisch. Sondern eher sozialistisch. Oder kommunistisch. Sie gehören jedem und jeder. Sind unbezahlbar. Man kann auf sie nicht spekulieren, man braucht keine Investitionsberater. Das muss ja auch mal wieder gesagt werden.


Ich bin in einen Popstar verliebt

Dienstag, 30. Juni 2009

Ich bin in einen Popstar verliebt. Ich habe ihn mir mir als lebensgroßes Poster übers Bett gehängt. Und erschrecke damit meine Mutter und alle potenziellen Lover. Mich selbst hänge ich gern über das Gestänge vor der Bühne, wo ER auftritt, und kotze den Sicherheitsleuten auf die Schulter. Mit meinen Freundinnen lungere ich stundenlang vor irgendwelchen Studios, Hotels oder VIP-Restaurants herum, um IHN nur einmal kurz zu sehen. Ich reiße alle Zeitungen und Zeitschriften an mich, in denen irgendwas über IHN steht. Ich peste alle Blogs und Fanseiten voll mit Texten darüber, wie supertoll ER ist. Ich wünsche alle Krankheiten denen an den Hals, die das nicht so sehen. Vielleicht schlafe ich mich zu ihm hoch, vielleicht schaffe ich es über den schmierigen Manager, aber ich habe mir von den anderen Girls schon einige Tricks abgeschaut, wie ich besser an IHN herankomme. Und eines Tages sind wir beiden allein in seinem dunklen Tourbus, an den ich schon viele kleine Post-its mit Liebesschwüren geklebt habe. Meine Eltern denken, ich bin etwas schräg, aber noch fahren sie mich zu den Konzerten und holen mich pünktlich wieder ab. Ich esse nichts und ziehe mich so an wie ER. Oder wie ER es gut findet. Meine alten Freundinnen haben sich von mir abgewandt, aber meine neuen stehen genauso auf IHN wie ich. Sollte ich jemals einen von denen ranlassen, die ich von der Schule oder so kenne, dann muss er so einen Style haben wie ER. (weiterlesen…)


Die Unsterbliche

Sonntag, 28. Juni 2009

again-liebe