Die erste Regel

Vieles im Leben läuft nach Regeln ab, leider. Aber manche Regeln sind gut, sie gehören zum Leben wie das Atmen oder Schlafen. Sie sind sozusagen der Rhythmus, der dem Leben zugrunde liegt. Bei Frauen nennt man eine ganz bestimmte Regel auch Zyklus, das klingt nach “wichtig”: nach ewiger Wiederkehr, nach der natürlichen Notwendigkeit des Immergleichen. An das erste Mal des Wiederkehrenden erinnert sich jede, oder? Wie war es bei dir? Haben dich deine Eltern beraten? Hier eine wahre Geschichte:

Ich bekam meine erste Regel auf einem Flughafen kurz vor dem Abflug nach Lanzarote zu einem Familien-Sommer-Urlaub. Wir warteten schon im Gate-Bereich. Ich wollte noch einmal auf die Toilette, als ich in meiner Unterhose die Blutspuren bemerkte. Ich zog die Hose hoch und rannte aufgeregt zu meinem Vater und meiner jüngeren Schwester, die auf Plastiksesseln herumlungerten. „Ich glaube, ich habe meine Tage bekommen“, flüsterte ich. „Echt?“, sagte meine Schwester. „Aha“, sagte mein Vater. So richtig wussten wir alle nicht, was wir jetzt tun sollten. Es war zwar ganz normal und natürlich, aber irgendwas musste man doch tun. Zu dumm, dass meine Mutter gerade auf diese Reise nicht mitgekommen war. Die hätte jetzt bestimmt einen guten Einfall gehabt. „Ich verschwinde noch mal“, sagte ich. Bei den Waschbecken im Damenklo gab es doch immer diese Automaten, die Kondome, Einmalzahnbürsten, Seife, aber auch Tampons verkauften, dachte ich. So einen wollte ich ausprobieren. Ich warf das Geld ein, drückte den Warenknopf, öffnete die Metallschublade, in die der Karton mit den Tampons gefallen war, aber dann war ich so nervös, dass ich mir beim Schließen der Schublade den Finger verletzte. Besser gesagt, die Fingerspitze. Ich hatte sie mit einer scharfen Kante regelrecht gekappt, so dass sie sofort zu bluten anfing. Das war also der Tag des Blutes. Also widmete ich mich erstmal dem Finger. Dann wurde schon unser Flugzeug aufgerufen. Was für ein Stress. Ich steckte die Tampons in meine Tasche und rannte zurück zu meiner Familie. Nach Schlange stehen, Bordkarte zeigen, Platz finden, Sicherheitsinformationen zuhören, abheben, dauerte es eine Weile, bis ich endlich den Gurt lösen, aufstehen und aufs Klo gehen konnte. In der kleinen Kammer angekommen, las ich mir die Tampongebrauchsanweisung durch. Da gab es sogar Tipps für Erstbenutzerinnen: hinhocken oder ein Bein auf den Badewannenrand stellen. Das war in diesem engen, stickigen Raum aber nicht möglich. Dann las ich auch noch, dass man mit „mini“ anfangen sollte. Der Automat hatte nur die Größe „normal“ im Angebot gehabt. Na, toll.
Ich wickelte die Plastikfolie ab und versuchte, den Tampon einzuführen. Der erste und viele andere Versuche misslangen. Ich gab auf. Ich war zu verkrampft. Das Ding blieb halb hinein geschoben stecken. Es tat weh, das war falsch. Ich stopfte mir Handtücher in die Unterhose, wickelte sie windelartig um die zu schützende Partie und ging wieder zu meinem Sitz. Erst später, auf der Insel, als ich mich mit genug Zeit ins Bad zurück ziehen konnte, um endlich die Tampontechnik zu verstehen, funktionierte es. Auch wenn die Dinger zunächst ziemlich drückten. Aber ich konnte die Papiertücher aus der Unterhose entsorgen. Ich konnte trotz Menstruation baden gehen. Wie in der Werbung. Ich fühlte mich professionell fraulich. Mit meinem eigenen Zyklus!

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1 Kommentar zu „Die erste Regel“

  1. Janay sagt:

    And I thought I was the sesnlibe one. Thanks for setting me straight.

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