Artikel-Schlagworte: „Facebook“


Sexuelle Revolution im Internet?

Samstag, 12. September 2009

Dieses Blog hat sich bereits mit einigen Auswirkungen der sozialen Netzwerke auf unser Flirt- und Liebesverhalten beschäftigt (Facebook-Flirten, -Eifersucht, Liebes-Twitter). Natürlich fragt sich auch schon eine ganze Armada von Theoretikerinnen und Theoretikern, wie etwa Partnerbörsen und Chaträume unsere Partersuche und unser Ich-Verständnis beeinflussen. Von Eva Illouz war schon die Rede, sie spricht von kapitalisierten Beziehungen: Man verabredet sich im Web nur mit Gleichgestellten, Gleichgesinnten, verschwendet keine Zeit auf Menschen, von denen nicht das Erwartete zurückkommt. ”Life on screen” von der Cyberanalystin Sherry Turkle (1995) ist bereits ein Klassiker über die Herausbildung eines “second self”, eines zweiten Selbst im Netz. Der “tiny sex” im Internet per Chat erlaube auch das Spiel mit Geschlechterzuschreibungen, das “gender swapping”. Turkle’s These in Kurzform lautet “Ich bin viele”. Davon kann die Hamburger Band Die Sterne ein Lied singen: In ihrem Song “Big in Berlin” (1999) intonieren sie die Zeile “Wir sind viele und wir sind zu zweit.” Die menschliche Selbstdarstellung ist natürlich nicht nur auf die Onlinewelt begrenzt. Der kanadische Soziologe Erving Goffman verglich sie schon 1959 in seinem Buch “Wir alle spielen Theater” mit dem Rollenspiel auf der Theaterbühne. Für ihn galt aber nur der Kontakt zwischen Mensch und Mensch als Interaktion, die zwischen Mensch und Maschine zählte er nicht. Ob das Internet nun aber unser sexuelles Verhalten befreit, erweitert oder eher verunsichert, ist trotz aller schöner Theorie eine offene Frage. Prinzipiell sind die Möglichkeiten, im Internet andere Menschen kennenzulernen, unendlich. Durch gezielte Suchanfragen auf Partnerbörsen und genaue Profilvergleiche trifft man wahrscheinlich schneller auf Gleichgesinnte als in einer Kneipe. Auch hilft die digitale Distanz beim Online-Gespräch dabei, direkter zu sein, Tabus anzusprechen und Reaktionen zu provozieren.

Die Revolution wäre also eine der Masse und der Information. Doch wer nur noch online flirtet, lässt seine Sinne verkümmern. Ein Computer duftet und atmet nicht, er lächelt und errötet nicht. Besteht die sexuelle Revolution des Internets etwa darin, dass wir mehr über Sex lernen, lesen und schreiben, aber weniger Sex haben? Dass wir mehr denken, aber weniger fühlen? Abgesehen von unseren Fingerspitzen, die über die Tastatur tanzen? Daher: Genug geforscht für heute.


Kleine ungarische Flirtschule

Dienstag, 8. September 2009

Wieso sind Anmachsprüche meist auf Männer getrimmt? Muss immer ER zuerst SIE ansprechen? Und warum ist das auf Facebook anders? (Ich rede jetzt nicht davon, dass man jetzt schon Freunde kaufen kann.) (weiterlesen…)


Macht Facebook eifersüchtig?

Sonntag, 9. August 2009

Unsere Gehirne verändern sich durch das Internet. Da reden die einen, zum Beispiel der Direktor eines Forschungsprojektes zur Digitalisierung an der Universität Salamanca, Joaquin Rodríguez, davon (nicht der gleichnamige Radrennfahrer), dass wir “bi-textuell” werden sollten. Wir müssten sowohl der Kulturtechniken des analogen als auch des digitalen Lesens fähig sein. Die anderen, zum Beispiel der Autor Nicholas Carr, überlegen, ob Google uns dumm macht: weil wir zwar theoretisch alles wissen können, aber im Überfluss der Informationen verloren gehen und dann eben gar nichts wissen. Nun haben drei kanadische Wissenschaftler aus Ontario durch die Befragung von 380 Studentinnen und Studenten herausgefunden, dass sich auch unsere Gefühle durch das Netz verändern. Genauer gesagt: Facebook erzeugt Eifersucht. Zu lesen ist die Studie in der Zeitschrift CyberPsychology & Behaviour. Je häufiger und länger jemand Facebook nutzt, desto größer ist die Chance, dass er oder sie aufgrund von auf Facebook geposteten Informationen eifersüchtig wird. Was tun? Mehrere Möglichkeiten bieten sich an:

- auf Facebook nicht öffentlich flirten, sondern nur über private Nachrichten mit jemandem anbandeln
- für Verabredungen den Chat benutzen, nicht das Wall-to-Wall-Gespräch
- den Freund, die Freundin aus der “Freundesliste” streichen
- Exfreunde und -freundinnen ebenfalls

Oder: weniger Zeit auf Facebook verbringen. Sondern den echten Freund, die echte Freundin in echt treffen. Das ist den meisten Menschen sowieso noch am liebsten.


Folge mir, Tweetheart

Freitag, 10. Juli 2009

Achtung, dieser Text enthält viel Fachsprache! Nur für Tweeties.

Jeden Freitag verkünden fleißige Twitterer über den Hashtag #followfriday interessante und verfolgenswerte Twitter-Feeds. Heute ist Freitag, und daher habe ich mich auf die Suche nach liebenswürdigen und sexbezogenen Twitter-Feeds gemacht. Erstmal vorweg: Amerikanischen Marktforschern zufolge wird auf Twitter viel öfter nach Sex gesucht als auf Facebook. Aber bloße Sex-Tweets sind öde und pornös, die gebe ich hier nicht weiter. Ich will Sprachspielchen. (weiterlesen…)


Lisa sagt

Donnerstag, 11. Juni 2009

Sibel sagt, dass alles so falsch wirkt hier. Sie meint, das wär alles ausgedacht und stimmt überhaupt nicht. Stimmt aber gar nicht. Nur ein bisschen vielleicht. Ich schreibe das hier ja nicht allein. Irgendwann mal darf ich allein schreiben, aber jetzt werde ich noch “betreut”. Klingt wie “therapiert”. Diese Woche ist nicht viel passiert. Das Wetter nervt voll. Man kann nicht ins Freibad, man kann höchstens im Center rumhängen, aber das nervt mich auch gerade. Emma habe übrigens nicht gesehen. Emma ist aber wieder da. Voll para, irgendwie. Das war nämlich gar nicht auf mich bezogen, was sie da abgezogen hat. Die hatte einfach keinen Bock mehr auf Facebook, so allgemein, und hat sich abgemeldet, BEI ALLEN. Wenn ich sie das nächste Mal treffe, werde ich mit ihr reden. Das meinte auch Sibel, dass ich das tun soll. So, Schluss für heute. Versucht nicht, mich zu finden. Love, L


Lisa sagt

Sonntag, 7. Juni 2009

Hallo! Ich bin Lisa. Ich soll mich kurz halten, wurde gesagt, trifft sich gut, Mama ist nämlich gerade nicht da und ich kann ihren Mac benutzen. Eigentlich gibts grade nicht so viel zu erzählen. Ich bin Single, seit fast einem Jahr schon. Obwohl ich das eigentlich ok find, das Alleinsein und so, das ist kein Problem für mich, ist es doch auch öde. Und Gift. Aber egal, davon schreibe ich ein anderes Mal. Das Problem heute betrifft meine Freundin Emma. Die ist wohl ziemlich sauer auf mich. Kam so: Ich hatte wohl versprochen, sie mit auf ne Party zu nehmen, es dann aber vergessen, weil ich ein Date hatte und das zu der Party mitgenommen. Später habe ich Emma ein, zweimal gesehen. Sie hat dann auch gefragt, wie die Party war. Ich habe mir nichts gedacht und erzählt. Ich habe nur bemerkt, dass Emma ganz schnippisch war und zickig zu mir, aber Emma ist öfter mal so und ich habe mir auch dabei nichts gedacht. Bis ich gestern auf Facebook (kennt ihr, muss man kennen) gesehen habe, dass ich einen Freund weniger habe. Kommt mal vor, dass jemand sich abmeldet – aber ich war neugierig und bin die Liste durchgegangen. Und wer will nicht mehr mein Facebook-Freund sein? Richtig, die Emma.

Frage ist jetzt, was tun? Soll ich die anmailen und um ein Klärgespräch bitten und mich entschuldigen und so oder soll ich diese E-Zickerei ganz einfach ignorieren? Sagt ihr mal.

Und achso: Versucht nicht, mich zu finden.

Love, Lisa