Artikel-Schlagworte: „Liebe“


Ein vorläufiges Ende

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Die SZ fragte sich gestern (leider nicht online), wie man eigentlich jemanden auf Facebook beerdigt. Dabei ist das Gute am Internet doch eigentlich, dass es gar nicht beerdigen kann, dass es ein Medium des Anti-Sterbens ist. Es ist eher eine wabernde Materie, verändert sich ständig. Auch so etwas wie der Blog-Friedhof, den ZEIT ONLINE einst mit nicht mehr aktiven Blogs bestückte, war mehr ein Symbol für diese Veränderungen, denn ein Grabmal des Todes. Nur dass er mittlerweile gelöscht wurde (hier die letzte erhaltene Seite aus dem Archiv für Websites Archive).

So wird auch dieses Blog nicht sterben, auch wenn wir uns heute von hier verabschieden. Wir freuen uns, dass es dieses Liebes-und-Sex-Blog gibt und wünschen euch Leserinnen und Leser ein erfülltes weiteres Sex-Lesen auf anderen Seiten. Sagt uns doch gerne mal, was ihr gut oder schlecht fandet (waren es zu viele Texte? zu wenig? zu lang? zu kurz? zu …?; was fehlte euch, was gefiel euch?) Danke! Und Danke, Berlin Verlag!

PS: Wenn ihr uns weiterverfolgen wollt: René bloggt derzeit 100 Tage über David Foster Wallace Roman “Unendliches Glück“, Nikola über Kultur und Internet auf der Blogmacherei. Der Berlin Verlag hat auch eine eigene Blog-Adresse.


Liebe morgen

Freitag, 18. September 2009

Liebe ist sanft wie eine Wolke, findet Lenny Kravitz. Sven Hillenkamp fand neulich im Tagesspiegel, dass die Liebe stirbt. Ein sehr guter Artikel, wie wir finden, aber die darin steckende Wahrheit hat noch nicht jeden und jede erreicht. Reste, Spuren von Romantik spuken noch allenthalben durch unsere Köpfe. Und vielleicht ist das auch besser so. Es muss sich ja nicht immer so übel ausnehmen wie bei Uhutrust.

Auf dem Flohmarkt gab es neulich die gekürzte Ausgabe von “Über die Liebe” von Stendhal. Für 30 Cent. Stendhal, ist das nicht eine Hansestadt in der Altmark? Ja, richtig, nach der hat sich der französische Schriftsteller Henri Beyle benannt (die Stadt schreibt sich ohne h). Der lebte im 19. Jahrhundert. Wir werden hier immer mal wieder aus dieser “Buchgemeinschafts-Ausgabe” zitieren. Heute zum Beispiel das:

“Die Liebe zweier Liebenden ist fast nie die gleiche.”

Oder das:

“Die Liebe ist wie ein Fieber, das zwei Menschen gleichzeitig befällt. Wer von beiden zuerst gesundet, den langweilt der andere grässlich.”

Verstorben ist übrigens Mary Travers von Peter, Paul & Mary. Das ist die Frau unter dem Herzen auf dem Foto hier. Das Ende der Liebe ist nah.

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Jules sagt

Mittwoch, 5. August 2009

Bisher hab ich mich ja rausgehalten. Bisher hat Lisa hier gequatscht. Frauen quatschen ja immer sehr gerne. Vor allem über uns Typen. Ich fand es daher auch ganz interessant, was sie da so über mich geschrieben hat. Denn ich respektiere sie total. Sie kennt meine Abgründe und ich ihre. Oft hab ich sie nach Parties auf dem Gepäckträger nach Hause gefahren und bin dann einfach mit in ihr Bett gekrochen. Gute Freunde eben. Ich weiß, einige Leute sagen, das kann nicht sein. Die denken, wir sind seit Jahren undercover zusammen. Aber bisher war da nix, wirklich. Vor allem, weil Lisa ja immer in irgendwelche Blondies verliebt ist, die sie im Freibad trifft. Und weil ich eine Freundin hatte. Aber jetzt bin ich solo. Und ich mag Lisa. Nach unserer ersten richtigen Nacht ist jetzt alles so komisch. Ich wusste nicht, dass ich so drauf sein kann. Auf Lisa hab ich keinen Bock mehr, aber ich brauche sie, als meine beste Freundin. Also hab ich eigentlich doch Bock, sie zu treffen. Was soll ich machen?


Lisa sagt

Mittwoch, 29. Juli 2009

Puh, Jahre später… Weiß noch einer, worum es ging? Ich auch nicht. Na ja, weiß ich doch, es ging um Jules. Mein Freund Jules. Den ich sehr liebe. Aber ja, ach, Leute, er liebt mich zwar auch, aber nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe, jedenfalls wird nichts aus uns. Und damit ist wohl auch Ende für unsere Freundschaft. Schade. Wir hatten gestern eine Aussprache. Wir haben uns am Fluss getroffen und dauernd sind so Frauen an uns vorbei getrottet, so Joggerspasten. Und wenn die kaputt waren, sind die wie so Hunde getrottet. Jules hat dann tatsächlich geweint. Ich nicht. Dabei hätte ich weinen sollen! Jetzt ist erstmal sehr viel Abstand angesagt. Und ein neuer Typ muss irgendwie her. Erdal? Oder Birol, meine Exflamme? Wir werden sehen. Ich melde mich. Versucht nicht, mich zu finden.


Die chemische Keule

Donnerstag, 23. Juli 2009

Gestern kamen wir vom Preis auf die Chemie der Liebe. Daher habe ich, zum Nachschlagen oder zum Brillieren auf Partygesprächen, mal ein kleines Glossar für das medizinische Grundwissen zum körperlichen Glücksgefühl zusammengestellt. Ärztinnen und Ärzte unter euch: Bitte gerne um den aktuellsten Forschungsstand ergänzen.

Oxytozin: Wird auch “Liebeshormon” genannt und im Gehirn aller Säugetiere produziert. Es bewirkt, wenn es in die Blutbahnen gelangt, die rhythmische Anspannung der Muskulatur der Gebärmutter (bei Frauen) oder des Samenleiters (bei Männern). Eventuell spielt es auch eine Rolle als “Treuehormon”: Präriewühlmäuse bleiben sich nach dem ersten Sex ihr Leben lang treu, in ihrem Gehirn wurde eine hohe Konzentration von Oxytozin festgestellt. Bergwühlmäuse produzieren dieses Hormon kaum, wenn sie sich begatten, und belassen es bei One-Night-Stands. Züchtet man allerdings genetisch veränderte Bergwühlmäuse, die mehr Oxytozin produzieren, trennten sich die Paare nicht mehr. Der Name des Stoffes kommt aus dem Griechischen von “oxys” (schnell) und “tokos” (Geburt), denn ohne ihn kann eine Frau ihr Kind nicht auf die Welt bringen, weil er für die Wehen essentiell ist.

Dopamin: Hat auch einen Ersatznamen, nämlich “Glückshormon”. Wenn man verliebt ist, wird es verstärkt ausgeschüttet; dann benötigt man weniger Schlaf und hat weniger Appetit, behauptet unter anderem Helen Fisher, Anthropologin an der Rutgers Universität. Auch diesem Botenstoff könnte man einen anderen Namen geben, nämlich “Motivationshormon”. Ein zu geringer Dopamin-Spiegel im Blut führt zu Antriebslosigkeit, ein zu hoher spielt bei Psychosen eine Rolle. Und für die Auswendiglerner unter euch noch die Summenformel: C8H11NO2

Östrogen: Dieses Hormon gilt als weibliches Hormon. Es steuert den Zyklus von Eisprung etc. Während der Blutung ist die Östrogenkonzentration am geringsten; Mädchen und Frauen fühlen sich dann oft niedergeschlagen, depressiv oder einfach kraftlos. Männer brauchen Östrogen unter anderem für den Knochenaufbau und für die Heranreifung der Spermien. Zu viel Östrogen macht übrigens aggressiv.

Testosteron: Ein männliches Hormon, ein sogenanntes Androgen, das beispielsweise zur Ausbildung der männlichen Geschlechtsorgane notwendig ist, aber auch im Körper der Frau eine große Rolle spielt. Zur Zeit des Eisprungs nimmt die Konzentration von Testosteron im Körper der Frau um 30 Prozent zu, daher nimmt man an, dass es lustfördernd wirkt. Der Forscher Ernst Lacqueur hat ihm den Namen gegeben, weil er das Hormon 1935 erstmals aus Stierhoden (testis) isolierte. Er hatte bereits 1925/1926 mit anderen Wissenschaftlern das Östrogen entdeckt.

Pheromone: Diese unbewusst wahrgenommenen Duftstoffe signalisieren Paarungsbereitschaft und werden von Körperdrüsen ausgesendet. Bestimmte Schmetterlings- und Mottenarten können angeblich Pheromone aus zehn Kilometer Entfernung wahrnehmen. Und, wie gestern schon angemerkt, soll es bereits Parfüms geben, denen diese Stoffe beigemischt sind. Ob sie wirken?


Was kostet die Liebe?

Mittwoch, 22. Juli 2009

Ein altes Sprichwort besagt, dass man nicht von “Luft und Liebe” leben kann. Wahrscheinlich hat sich ein Misantroph, ein Menschenhasser, diese Phrase ausgedacht. Er konnte es wohl einfach nicht ausstehen, dass um ihn herum glückliche Paare herumflanierten und wollte ihnen das Glücklichsein miesmachen. Dabei ist Luft kostenlos und Liebe auch, das kann sich also jeder und jede leisten. Warum fragt aber dann das Magazin Neon gerade nach dem “Preis der Liebe“? Muss man, wenn man jemanden liebt, etwas dafür zahlen, etwas hingeben, materiell oder immateriell? Höchstens sich selbst, oder? Ich finde die Frage falsch gestellt, denn Gefühle sind ja nicht kapitalistisch. Sondern eher sozialistisch. Oder kommunistisch. Sie gehören jedem und jeder. Sind unbezahlbar. Man kann auf sie nicht spekulieren, man braucht keine Investitionsberater. Das muss ja auch mal wieder gesagt werden.


The Love Crowd

Sonntag, 19. Juli 2009

love


Sextypen: Der Romantiker / Die Romantikerin

Donnerstag, 16. Juli 2009

Der romantische Liebhaber ist besser als sein Ruf. Er hat seinen weniger romantischen Kollegen vor allem voraus, dass er Zeit besitzt. Er muss nicht nach sieben Monaten nach einer Neuen suchen. Ein weiterer Vorteil: Der Romantiker muss keine Pseudo-Männlichkeit beweisen. Bei ihm wird man nicht im Eifer des Gefechts mit einer gewissen Monotonie mit dem Kopf gegen die Wand gewippt werden. Er klatscht einem auch nicht mit den Händen auf die Pobacken, weil er zu viele Pornos gesehen hat. Nein, der Romantiker ist sanft. Einfühlsam. Der Romantiker will verschmelzen, mit dir, mit der ganzen Welt eigentlich. Er schaut dir beim Sex in die Augen. Er will, dass das Licht ausbleibt, weil er dich dann besser fühlen kann. Er flüstert dir zwischendurch ins Ohr, ob es dir gefällt. Er schläft auch mit dir, wenn du deine Tage hast. Denn das findet er ganz natürlich. Der Romantiker hat Sex mit dir, weil er dich sehr liebt.

Aber aufgepasst! Der Romantiker kann auch schrecklich nerven. Im Bett und außerhalb. Denn der Romantiker ist grenzenlos. Immer, in jeder Sekunde will er dich sehen, sprechen, dir nahe sein. Das ist am Anfang schön, doch kann es irgendwann sehr nerven. Und manchmal redet der Romantiker beim Sex einfach viel zuviel, weil neben der körperlichen auch noch sprachliche Nähe hergestellt werden muss. Mit einem Romantiker kommst du gut klar, wenn du Witz in die Sache bringst. Scherze beim Sex lassen ihn verstummen. Und dann ist er ganz wunderbar.

Die romantische Liebhaberin ist noch viel schlechter als ihr Ruf. (weiterlesen…)


Liebe geht durch den Magen

Freitag, 10. Juli 2009
instant-love-pyramide-pur

Schmacko! (c) NR

Was so aussieht wie Ravioli mit Tomatensoße, nur etwas aufgehübscht, ist es auch. Die Dose verspricht allerdings vieles: “hot love, spicy passion, tender hearts, desire, top quality kisses, pleasure, harmony, cultural conditioning, pure love essence, bliss”. Wenn mir jetzt noch jemand erklären könnte, was kulturelle Konditionierung ist? Dem Bild nach zu urteilen, verwandelt man sich vor einem Riesenstiefmütterchen in ein Pop-Art-Latinopaar. Wer’s ausprobieren will: Die Pyramide steht in Berlin bei “Klötze & Schinken”, Bürknerstr. 12.


Folge mir, Tweetheart

Freitag, 10. Juli 2009

Achtung, dieser Text enthält viel Fachsprache! Nur für Tweeties.

Jeden Freitag verkünden fleißige Twitterer über den Hashtag #followfriday interessante und verfolgenswerte Twitter-Feeds. Heute ist Freitag, und daher habe ich mich auf die Suche nach liebenswürdigen und sexbezogenen Twitter-Feeds gemacht. Erstmal vorweg: Amerikanischen Marktforschern zufolge wird auf Twitter viel öfter nach Sex gesucht als auf Facebook. Aber bloße Sex-Tweets sind öde und pornös, die gebe ich hier nicht weiter. Ich will Sprachspielchen. (weiterlesen…)