Artikel-Schlagworte: „Typologie“


Der regionale Mann und die regionale Frau

Montag, 17. August 2009

Oft fragt man sich, wie Menschen überhaupt zueinanderfinden. Weil sie sich so oft falsch verstehen oder falsch verstehen wollen. Daher hatten wir bereits überlegt, wie im dramatischen Text das Flirten funktioniert. Jetzt gibt es zum Thema “Klassische Anmache” (Goethe, Proust et. al.) ein neues Buch, das Christine Westermann für den WDR rezensiert hat. Im Grunde ist die Anmache ja wirklich etwas ganz Klassisches: Es geht nur darum, auf sich aufmerksam zu machen, sich verbal aufzuplustern, ohne gleich mit albernem Wort-Konfetti werfen zu müssen, Rosen-Gedichte zu verteilen (so wie Gertrude Stein bekommt man es ja doch nicht hin) oder peinliche Brunftgeräusche von sich zu geben. Wer nicht weiß, wie der andere tickt oder wie die andere grundsätzlich reagiert, hat wohl weniger Erfolg, als der, der weiß, was im jeweiligen Fall ankommt. Also: Regionales Wissen muss her.

Zum Glück hat sich das ZEIT-Magazin in den letzten Wochen bereits an einer Typologie der Berliner Frau und des Berliner Mannes versucht. Fazit: Er ist ein Schluffi, sie ein Mädchen. Und oft sind beide gar keine echten Berliner, denn die sind in Wirklichkeit ganz anders. Wie denn, fragte ich mich da? Wie ist denn der Kölner Jung und das rheinische Mädel? Wie ist der Bub aus dem Allgäu und die Hamburger Deern? Ist der eine eine bierselige, konservative, bodenständige Haut und die andere gar eine coolere Tuss als die Hauptstädterin, weil sie das Understatement lebt und weltoffener ist? Und was ist mit den Cottbussern? Den Rostockern? Den Leuten aus Hameln? Oder sind Typologien sinnlos? Ich fange zumindest mal mit den Bremern an: Der Bremer Typ würde gerne wie der Hamburger sein, rappt aber nicht und trägt nicht diese Wollmützen mit Schirm, weil er sich eigentlich wie ein Engländer oder Holländer fühlt. Tee! Fahrrad! Er hat eine konservative Erziehung genossen, das heißt, er kann Walzer tanzen und der Dame, die er auch wirklich so nennt, den Stuhl unterschieben, oft übernimmt er die Firma des Vaters, die seinen Nachnamen trägt. Das Bremer Mädchen kennt alle Bremer Männer in ihrem Alter, weil sich in Bremen alle kennen. Eigentlich ist es auf der Suche nach einem Hamburger, respektive einem Engländer oder Holländer. Und so geht das Spielchen weiter! Wie sind die Engländer? Die Holländer? Das wäre dann Stufe Zwei der Geschlechtstypologien, von den Regionen zu den Nationen…