Der romantische Liebhaber ist besser als sein Ruf. Er hat seinen weniger romantischen Kollegen vor allem voraus, dass er Zeit besitzt. Er muss nicht nach sieben Monaten nach einer Neuen suchen. Ein weiterer Vorteil: Der Romantiker muss keine Pseudo-Männlichkeit beweisen. Bei ihm wird man nicht im Eifer des Gefechts mit einer gewissen Monotonie mit dem Kopf gegen die Wand gewippt werden. Er klatscht einem auch nicht mit den Händen auf die Pobacken, weil er zu viele Pornos gesehen hat. Nein, der Romantiker ist sanft. Einfühlsam. Der Romantiker will verschmelzen, mit dir, mit der ganzen Welt eigentlich. Er schaut dir beim Sex in die Augen. Er will, dass das Licht ausbleibt, weil er dich dann besser fühlen kann. Er flüstert dir zwischendurch ins Ohr, ob es dir gefällt. Er schläft auch mit dir, wenn du deine Tage hast. Denn das findet er ganz natürlich. Der Romantiker hat Sex mit dir, weil er dich sehr liebt.
Aber aufgepasst! Der Romantiker kann auch schrecklich nerven. Im Bett und außerhalb. Denn der Romantiker ist grenzenlos. Immer, in jeder Sekunde will er dich sehen, sprechen, dir nahe sein. Das ist am Anfang schön, doch kann es irgendwann sehr nerven. Und manchmal redet der Romantiker beim Sex einfach viel zuviel, weil neben der körperlichen auch noch sprachliche Nähe hergestellt werden muss. Mit einem Romantiker kommst du gut klar, wenn du Witz in die Sache bringst. Scherze beim Sex lassen ihn verstummen. Und dann ist er ganz wunderbar.
Die romantische Liebhaberin ist noch viel schlechter als ihr Ruf.
Ihr großes Problem: Sie ist in ihrem eigenen Klischee untergegangen. Sie steht auf Rosen auf dem Laken und Söhnlein Brillant auf dem Nachttisch. Sie hat zuviel romantische Komödien gesehen, zuviel Frauenzeitschriften gelesen und zuviel in den falschen Chats herumgehangen. Die Romantikerin hat eine dermaßen verklärte Vorstellung von ihrem Liebesleben, dass die Realität unmöglich mithalten kann: “Huch! Sperma auf dem Laken”, “Oh, mein Gott, da steht dein kleiner Bruder in der Tür!”, “Wie? Du willst, dass ich dir einen blase?” Mit solchen Situationen kommen romantische Mädchen schlecht zurecht. Denn sie haben noch nirgendwo vorher ein Bild dazu gesehen. Sie wissen nicht, was jetzt zu tun ist, welches Verhalten der Situation ihre Romantik zurückgeben könnte. Sie sollten sie selbst sein, dann kommt Romantik ganz von alleine. Zum Beispiel, wenn sie im Herbst ein Holzhaus am See mieten und den Kamin heizen, bevor sie mit ihrem Freund ins Bett gehen. Wenn sie ohne Badeschaum mit ihm in die Wanne steigen, aber dafür ein kaltes Bier dabeihaben. Oder wenn sie ihm nach einem Streit eine Blume vor die Tür legen. Da gehen dann sogar rote Rosen.






